23.10.09
Today I visited a vinery near Nyaung Shwe, one of two in Myanmar. It is owned by a company of the Pao National Community and run by a French oenologist. To my surprise they use excellent stainless steel equipment from Italy. The entire vinery was planned by a Swiss engineering company, and the wine is quite nice, of a good mid level quality.
Heute besuchte ich ein Weingut in der Nähe von Nyaung Shwe. Ich fuhr mit dem Velo hin, allerdings erst nach einem weiten ungewollten Abstecher wegen des missverstandenen Wegweisers, aber das schafft Kondition und verbrauchte Kalorien, auch gut. Zu meiner grossen Überraschung arbeiten sie mit bester Ausrüstung, alles italienische rostfreie Tanks, gekühlt.
Beim Weingut sind 20 ha Rebland und etwa 10 km entfernt weitere 55 ha, total 75 ha, mit je 5500 Rebstöcken pro ha, also total 412’500 Stück. Gepflanzt wurden die ersten 2003, dann etwas 2004 und der grosse Rest 2005, alle Pflanzen importiert aus Frankreich. Die blauen Traubensorten sind mehrheitlich Shiraz, weniger Pinot Noir und Tempranillo, die weissen hauptsächlich Sauvignon Blanc und etwas Muskateller. Die Erträge sind gering, bei Shiraz etwa 1 kg/Stock, bei den anderen maximal 0.5 kg/Stock. Der Zuckergehalt sei super, zu hoch, mit Potential für über 16% Alkoholgehalt, und er müsse mit Wasser verdünnen für etwa 13% Alkohol, die Gärung käme sonst vor dem Ende zum Stillstand wegen des hohen Alkoholgehaltes.
Da freut sich der Chemie-Ingenieur in mir, rostfreies Rohrmaterial und Hahne bereit zum Einbau.
Die gesamte Kellerei wurde von einer schweizerischen Firma aus Sierre geplant und als Generalunternehmer geliefert. Leider ging die Firma kurz darauf in Konkurs, so musste der französische Weinfachmann, der seit Beginn dabei ist, alles in eigener Regie aufbauen und in Betrieb nehmen.
Ein kleiner Teil des Weins, vom besten, wird in Barriques ausgebaut. Die Eichenfässer sind aus Ungarn, seien aber genau so gut wie französische Eiche und günstiger. Die Fässer lagern in einem isolierten und gekühlten Schiffs-Container.
Eine neue Abfüllanlage und eine Etikettiermaschine stehen bereit zur Inbetriebnahme. Der Franzose wird für eine Woche nach Frankreich fliegen, um sich in Unterhalt und Betrieb der Maschinen ausbilden zu lassen. Für die nächste Ernte seien sie dringend benötigt, denn er rechne mit etwa 90’000 Flaschen, das wäre etwas viel für die Abfüllung mit dem simplen Apparat, der bis jetzt in Betrieb gewesen sei.
Ich durfte direkt aus 2 Kühltanks degustieren. Der 7-monatige Cabernet Sauvignon war, wie für Sauvignon typisch, kräftig in der Nase und schmeckte gut. Der gleich junge Pinot/Tempranillo war bereits sehr angenehm zu trinken. Shiraz kam nicht zur Degustation, ich kaufte aber eine Flasche, um sie in Yangon mit Rolf zu trinken.
Beim Kühltank mit Sauvignon ging der Franzose wegen des Natels kurz nach draussen. Die Folge war ein randvolles Glas aus dem Zapfhahn, Gelegenheit macht Diebe.
Geschnitten würde anders als in Frankreich. Er müsse 8-10 Triebe behalten und 5-6 Augen an den Trieben lassen. Das habe er erst über die Jahre herausgefunden. Es wird auch mit 2 Reihen Doppeldrähten gearbeitet und eingefädelt, überstehendes würde von Hand abgeschnitten, nichts würde entfernt, weder überzählige Tratten noch Geize, er habe ja mehr als genügend Zucker. Wegen der starken Sonneneinstrahlung wird auch nicht ausgelaubt.
Da es hier in Burma keinen Winter gibt, erhalten die Reben auch keine Ruhepause, sie wachsen immer. Der Jahreszyklus wird durch den Zeitpunkt des Schneidens bestimmt. Pro Jahr finden 2 Schnitte statt, einmal am Anfang der Regenzeit, im April, einmal am Anfang der Trockenzeit, im September. Während der Regenmonate wachsen keine Trauben, nur Triebe und Laub, es sei zu nasses und zu trübes Wetter. Nach dem Septemberschnitt regnet es bis Ende Oktober hin und wieder, wie ich es auch erlebte, ab November ist jeder Tag wie der andere, wolkenloser blauer Himmel mit starkem Sonnenschein, jetzt gibt es Trauben. Bewässert würde über Schlauchsysteme direkt an die Pflanzen, relativ wenig.
Das Weingut gehört der Ruby Dragon Company, einer Firma der nationalen Organisation der Volksgruppe der Pao. Der oberste Chef sei der zweithöchste Pao, neben dem spirituellen Führer, der die Nummer eins sei. Die Firma besitzt Rubin- und Saphirminen, ein Luxus-Hotel am Ngapali Beach, eine Zementfabrik und einiges anderes. Eine Goldmine werde in Kürze eröffnet oder übernommen, sagte der Franzose.
Sue sagte, der Chef sei berühmt und angesehen in Myanmar, er sei arm gewesen und hätte als Jadesucher gearbeitet. Da hätte er den weltweit grössten Jadeklumpen gefunden und ihn der Regierung geschenkt. Dadurch sei er bei den Pao in die Führungsebene gekommen, die Regierung ebne ihm seitdem alle Wege und gebe ihm und der Organisation der Pao viele geschäftliche Möglichkeiten. Vermutlich besteht auch ein Zusammenhang mit dem Friedensabkommen zwischen den vormaligen Pao-Rebellen und dem Militär, nehme ich an.
Weitere Fotos meiner Reise sind hier http://picasaweb.google.com/houdini49 in mehreren Picasa-Alben (zum Ansehen der Fotos auf das entsprechende Albumbild clicken).
Further photos of my trip are here http://picasaweb.google.com/houdini49 in various Picasa albums (click on the respective album picture to see the photos).

3 Kommentare
Kommentar-Feed für diesen Beitrag
Oktober 24, 2009 um 6:24 vormittags
lamiacucina
ha, was es nicht alles gibt. Weine aus Myanmar. Die winery wird wohl durch die Edelsteinminen quersubventioniert.
Oktober 24, 2009 um 7:13 vormittags
Helen
Erstaunlich, eine solche Anlage vorzufinden. Aber wer in Burma kann es sich leisten, den Wein zu kaufen?
Oktober 26, 2009 um 4:48 vormittags
Erich
@lamiacucina: Ich denke, Dank der billigen Arbeitskräfte und der CHF 7.50 Erlös pro Flasche, nicht Ladenverkaufspreis, könnte doch ein Gewinn raus schauen. Wenn nicht jetzt, dann später, bei höheren Erträgen pro Stock.
@Helen: Die Generäle und Oberste natürlich, und das sind Tausende, die Minenbesitzer und sonstige Reiche, die es in Myanmar wie überall auch gibt, dann die Touristen in den guten Hotels, die Rucksacktouristen wohl kaum.