Ich höre mitten im Vormittag einheimische Musik, fahre hin und finde eine kleine Halle, in der eine Musikergruppe eine eigenartige Vorführung mit Tanz und Gesang begleitet. Zwei Frauen tanzen und singen abwechslungsweise, beide während des Tanzes rauchend, manchmal mit 2 Zigaretten gleichzeitig. Die eine der Frauen, die der Stimme und des Aussehens nach ein verkleideter Mann ist, fuchtelt zusätzlich mit einer Flasche Bier und trinkt auch tanzend daraus.
Nach dem Tanz geht die Frau zu Besuchern, spricht zu einzelnen laut, zu anderen leise und freundlich oder beschimpft sie. Die Leute geben ihr speziell gefaltetes Geld, das sie sich an ihren Kopfschmuck steckt oder in die Bluse. Später erfahre ich, dass die beiden Frauen Medien sind, durch die Geister, genannt Nats, zu den Leuten sprechen können.
Der Glaube an Nats sei nicht buddhistisch, es sei Aberglaube, oder wenigstens aus den alten Religionen stammend. Viele in Burma und Thailand glauben an Nats. Nyaung Shwe habe einen der 32 oder 38 Nats, die es in Burma gäbe, als “Stadt-Nat”. Da und dort sind an Weg- oder Strassenrändern kleine Schreine für einen bestimmten Nat, oder Spirit. Die Taxi- und die LKW-Fahrer hupten beim Passieren 3 mal für gute Fahrt.
Einmal im Jahr sei ein Nat-Festival in Nyaung Shwe, aber reiche Leute, die ein gutes Geschäft gemacht oder sonst ein glückliches Ereignis zu feiern und sich beim Nat zu bedanken hätten, würden solche Performances, wie diese, auch zu sonstigen Zeiten arrangieren.
Nachtrag zum Hochzeits-Empfang
Helen fragte bezüglich einer Trauungs-Zeremonie oder dergleichen. Früher am Morgen war ein Obermönch vom Kloster zum Haus der Brautfamilie gekommen und hatte das Paar gesegnet. Eine eigentliche Trauung wie bei uns in der Kirche gäbe es nicht, der Mönch frage also nicht, ob sie ihn und er sie wolle, das hätten die beiden untereinander bereits geklärt und durch Beischlaf und Wegrennen zementiert, oder in anderen Fällen deren Eltern bestimmt. Die standesamtliche Registrierung der Ehe geschehe dann irgendwann schon noch, dazu sei keine Eile.
Das Haus der Brautfamilie
Nicht versäumen möchte ich, über die Party am Abend zu berichten, zu der unverheiratete Burschen und Mädchen im heiratsfähigen Alter eingeladen sind. Beim Nachtessen im Haus der Eltern des Bräutigams vorgestern wurde mir von der Party erzählt. Ich brachte Sue einige Äpfel. Wir sassen im Schatten der Pergola, tranken Tee und schwatzten, als der Bräutigam-Vater mit seinem Velo-Taxi nach hause kam. Er sah mich und lud uns in das Haus seiner Schwägerin ein, in dem auch er mit seiner Familie wohnt. Es wurden die üblichen eingelegten Teeblätter und Nüsschen gereicht, die immer allen Besuchern angeboten werden. Als ich mich nach einigen Tässchen Tee verabschieden wollte, nötigten sie mich, zum Essen zu bleiben, es sei schon fast fertig gekocht. Nur eine Tante des Hauses, Sue und ich sassen am Tisch, die Familie servierte und würde später essen, was übrig bleibe, sagte Sue. Also, nun zur Party.
Sie läuft ähnlich ab wie bei uns nach dem Hochzeitsessen, Musik, Spiele und Unterhaltung, aber kein Tanzen. Die jungen Männer sitzen reihum auf dem Fussboden, ein Mädchen hinter jedem, in einem grösseren Kreis. Die Mädchen bedienen die Jungs mit Bier, Tee und Snacks, wie es sich gehört. Die Spiele sind sehr ähnlich, wenn nicht gleich, wie es bei uns war zu Zeiten unserer Verheiratung (ich war schon lange an keiner Hochzeitsfeier in der Schweiz, kommt vielleicht noch bei unseren Söhnen). Ein Junge und ein Mädchen stellen sich in die Mitte des Kreises, nehmen einen Ballon zwischen sich und müssen sich so stark umarmen, bis der Ballon platzt. Eine in einer mit Wasser gefüllten Schüssel schwimmende grosse Tomate muss mit dem Mund heraus gefischt werden. Ein Zückerchen muss von den Lippen des Mädchens ohne Hände in den Mund des Burschen, wer hätte an so was gedacht in diesem Land? Es werde viel gelacht, klar. Es sei auch gesehen worden, wie sich ein Junge und ein Mädchen in die Küche zu einem Schwatz trafen, vielleicht das nächste Hochzeitspaar?
Weitere Fotos meiner Reise sind hier http://picasaweb.google.com/houdini49 in mehreren Picasa-Alben (zum Ansehen der Fotos auf das entsprechende Albumbild clicken).
Further photos of my trip are here http://picasaweb.google.com/houdini49 in various Picasa albums (click on the respective album picture to see the photos).

1 Kommentar
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Oktober 21, 2009 um 5:35 nachmittags
Helen
Spannend, diese Geistergeschichte !