18.10.09
Thanks to Sue, my tour guide and friend, I was today guest at a wedding party in the house of a family belonging to the Pao ethnic minority at an Inle Lake village. I traveled with a group of neighbors of the groom by boat to the bride’s village.
Zusammen mit einer Gruppe von Nachbarn des Bräutigams war Sue zu einer Hochzeit in einem Dorf im Inle See eingeladen. Sie fragte, ob sie mich mitbringen dürfe, was, wie sie sagte, mit Freude bejaht wurde. Ich fühlte mich sehr wohl unter den Gästen, kam auch ohne Burmesisch in Kontakt mit Leuten.
Das Hochzeitspaar sass die ganze Zeit in einer Ecke und empfing dort die Gäste, die ein Geschenk oder Geld überreichten, dem Paar Glück wünschten und ein Armbändchen aus gewickelten weissem Garn um das Handgelenk legten. Die Eltern wussten vor 2 Wochen noch nichts von der bevorstehenden Vermählung. Der in Nyaung Shwe wohnhafte Bräutigam traf die Braut aus dem 2 Stunden Bootsfahrt entfernten See-Dorf auf dem Markt, wie Sue sagte. Wie lange sie sich schon kannten, ist mir nicht bekannt. Ohne dass die Eltern etwas davon wussten oder ahnten, tauchten die beiden für eine Woche bei Freunden unter, um Tatsachen zu schaffen. Bei uns hätte man früher gesagt, sie seien durchgebrannt. Innert weniger als Wochenfrist wurde die Hochzeit angesetzt und fand nun heute an einem astrologisch, oder was immer, günstigen Datum statt. Dieses Vorgehen sei sehr häufig in Burma. Ich erinnere an den Fall von Mutu, der leider unglücklich endete. Sue sagte, sie und ihr Mann seien nicht durchgebrannt, da sie wussten, ihren Willen im Notfall gegen die Eltern durchsetzten zu können.
Gegessen wurde wegen der vielen Gäste in 3 Schichten. Das Menu bestand aus einer Suppe aus gestampften roten Bohnen mit einer bitteren Zutat, die nur bei Festlichkeiten serviert würde, Kresse/Reis-Salat, gewässertem getrocknetem Fisch, ähnlich Stockfisch oder Bacalaõ, recht scharf und würzig. Dazu gab es weissen Reis. Es war kein Gala-Menu, aber anbetracht der vielen Gäste und der beschränkten Mittel absolut in Ordnung. Der Fisch schmeckte ausgezeichnet. Die vielen Töpfe und Teller wurden von einem Kloster ausgeliehen.
Viele Leute wollten fotografiert werden und auf dem Kamera-Monitor ihre Bildchen ansehen. Das Mädchen hier gehört zur Volksgruppe der Pao, wie auch die Brautfamilie und viele der Gäste. Die dunkelblaue oder auch beinahe schwarze Kleidung der Frauen besteht aus 3 Teilen, einem Wickeljupe, einer Weste und einer Jacke, plus Wadenstulpen, alles aus guter Wolle. Das Mädchen trug Tuch bester Qualität, “No. 7000 Superfine Wool”, die Webkante mit eingewobener Qualitätsbezeichnung als Bordüre, damit alle die Qualität sehen können, so wie Philipp seine “Hugo Boss” Etikette aussen an seinem Anzugsärmel liess. Ein kompletter Outfit koste über 100 US$, viel Geld hier, 4 Monatslöhne einer Hotelangestellten.
Das stattliche Hochzeitshaus steht auf Pfählen inmitten des Wassers, man gelangt nur mit Booten hin. Die Leute in unserem Boot mussten sich durch das halbe Dorf zum Haus durchfragen, ein für mich willkommenes Sightseeing. Das Bild oben ist ein Ausblick aus dem Fenster in der 2. Etage. Das Haus wankte manchmal leicht, wie ein grosses Schiff, wenn eine Gruppe nach unten zum Essen ging.
Diese Aufnahme gelang mit meinem Paparazzi-Zoom, vom Abgebildeten unbemerkt. Alle anderen Bilder schoss ich mit dem normalen 17-85 mm Zoom. Die Leute posierten gerne, lächelten aber kaum, auch wenn ich sie dazu aufforderte. Nachher, beim Betrachten der Bilder konnten sie wieder freudig lachen, schade. Die alte Frau mit ihren vom Betelkauen roten und fürchterlichen Zähnen war eine Ausnahme, lachte die ganze Zeit und versuchte, mit mir zu reden. Wenn Sue in der Nähe war übersetzte sie.
Ich musste natürlich auch verewigt werden, zusammen mit dem Brautpaar und Sue’s Töchterchen Shu Mei Nih und Ni Leh.
Auf der Suche im Dorf. Amüsant war, auf der Fahrt von Touristen fotografiert zu werden, die über ein so übervoll mit Leuten gefülltes Boot staunten. Die meisten werden wohl erst zuhause beim Betrachten der Fotos den Westler unter den Einheimischen entdecken. Dass unser Boot sehr tief im Wasser lag beunruhigte mich nicht besonders, da ich in den beinahe 2 Wochen hier am und auf dem See weder ein schwer mit Tomaten oder anderer Ware beladenes Boot hatte sinken sehen noch davon gehört hatte.
Als Dank für den herzlichen Empfang werde ich Hochzeitsfotos und Portraits in Taunggy drucken und dem Brautpaar und den Gästen überbringen lassen. Freude bereiten macht auch glücklich.
Weitere Fotos meiner Reise sind hier http://picasaweb.google.com/houdini49 in mehreren Picasa-Alben (zum Ansehen der Fotos auf das entsprechende Albumbild clicken).
Further photos of my trip are here http://picasaweb.google.com/houdini49 in various Picasa albums (click on the respective album picture to see the photos).

4 Kommentare
Kommentar-Feed für diesen Beitrag
Oktober 20, 2009 um 7:01 vormittags
Helen
Ein ganz spezielles Erlebnis !
Oktober 21, 2009 um 12:02 vormittags
kulinaria katastrophalia
Was ist das denn für eine bittere Zutat, die festliche?
Oktober 21, 2009 um 3:08 vormittags
Erich
@kulinaria: Den Namen kenne ich nicht, wie die Zutat aussieht auch nicht, gesagt wurde mir aber, es werde auch bei Malaria eingenommen, vielleicht etwas Chinin artiges.
November 5, 2009 um 4:29 vormittags
Reisemitbringsel, revolutionärer Schnickschnack fein abgepackt (zum Öffnen) « kulinaria katastrophalia
[...] die schönen kleinen Zubereitungsstände sind da ab und an zu bewundern oder Berichte von geheimnisvollen Zutaten, die nur zu Hochzeiten der etappenweise essenden Gesellschaft gereicht [...]