17.10.09
Not much happened today, sorting of photos, preparing a blog entry, hours at the internet shop. In the late afternoon, I cycled to a pagoda and monastery close to Nyaung Shwe, the light was great, wasn’t it? This post is about the hard life of a young Myanmar women and her friendliness, compared to a cocky Dutch girl and her dude staying at the guest house.

Das Licht war einfach grossartig, da konnte ich nicht viel falsch machen. Ich sah das Licht und die Wolken und radelte hin.

Da an diesem Tag ausser Fotos ausdünnen, Blog schreiben und langsamem Internet nichts geschah, “nothing to write home about”, schreibe ich über die Situation einer jungen Frau, die hier im Green Chilli Restaurant im Service arbeitet. Ich war schon mehrmals dort und an diesem Abend noch der einzige späte Gast, so dass sie aus ihrer Initiative ein Gespräch begann, mich fragte, wie lange ich hier sei, sie habe mich nun schon einige male gesehen, woher ich komme und ähnliches.

Das Green Chilli ist eines der 2 oder 3 besseren Ess-Restaurants im Städtchen, für mich das beste. Die Preise sind leicht höher, werden durch die Qualität aber mehr als kompensiert. Das Haus ist neu und architektonisch interessant, der Restaurantraum ist offen bis zum hohen Giebel, dezent dekoriert, die Musik ist beruhigend in Lautstärke und Auswahl, westlich, das Personal in edler lokaler Kleidung ist sehr aufmerksam und freundlich, das Essen ist sehr lecker und die Platten und Teller schön angerichtet. Klasse.

Die 20 jährige Frau heisst Wut Yi, ausgesprochen wie Uh Schi, aber alle nennten sie Wi, ausgesprochen wie das englische V. Einfach ein V schrieb sie als Rufname neben der Email-Adresse auf einen Zettel.

V arbeitet als Bedienung ab 9 Uhr, ohne “Zimmerstunde” am Nachmittag, bis zum nicht festgelegten Restaurantschluss, frühestens 10 Uhr, vielleicht Mitternacht, je nach Anwesenheit von Gästen. Sie hat nur 3 freie Tage pro Monat, erhält 25’000 Kyat pro Monat, entsprechend 25 Fränkli oder etwa 16 Euro, plus Kost und Unterkunft im Schlafsaal. Obwohl ihre Familie im Ort wohnt, darf sie nie nach Hause, darf ausser an den freien 3 Tagen nur mit Bewilligung kurz weg. Oder sie muss sich wegstehlen, wie mir Sue aus eigener Erfahrung erzählte, das habe ich nicht von V. Nach dem Highschool-Abschluss arbeitete sie zuerst als Tomatensortiererin, seit der Eröffnung des Restaurants im Green Chilli, damit sie mit Touristen ihr Englisch anwenden kann. Sie studiert seitdem Geographie und Englisch an der Uni von Taunggy, der Hauptstadt des Shan State, der grössten Provinz Myanmars. Arbeit und Studium könne sie verbinden, denn es gebe 2 Wege, Vollzeitstudium und “Distance Learning”, sie mache das Zweite, 35 Tage im Jahr an der Uni, die andere Zeit Fernstudium. Weitere 3 Jahre müsse sie noch studieren. Ihr Berufs-Ziel sei Tour Guide. Ja, sie könne am Nachmittag öfter 2-3 Stunden lesen, falls keine Gäste im Restaurant seien. Kein einziges Wort von Unzufriedenheit. Sie sagte mir das wegen der Arbeitsbedingungen und auch anderes nur auf meine spezifischen Fragen. Während des Gesprächs stand sie einen Meter neben dem Tisch, schräg vor mir, mit geradem Rücken, die Hände vor dem Schoss übereinander gelegt wie ein Schweizer Soldat in “Ruhen”-Stellung, nur nicht so breitbeinig wie der Soldat.

Was für ein Unterschied zur jungen holländischen Göre mit ihrem käsigen und ebenso unfreundlichen Heintje hier im Guest House. Sie kommen und lümmeln sich in die selbe Sitzgruppe wie ich, die Füsse auf der Sofalehne, ohne ein Wort, kein “Hello” oder “Hi”, nichts, und dies mehrmals in ähnlicher Art, fressen, zu mir wortlos, untereinander schäkernd, meine gerösteten Bohnen und meine frittierten Plätzchen. Für mich ist dies jenseits jeden Benehmens, und ich will nicht glauben, die westliche Jugend sei halt so. Die dumm dreinschauende und aussehende Holländerin ohne Manieren kann mit ihrem Gehalt als Aushilfs-Serviererin oder mit Vaters Hilfe ein paar Wochen mit ihrem Kees nach Myanmar reisen und merkt vermutlich nicht, wie gut es ihr im Grunde unverdientermassen geht, einzig, weil sie nicht hier geboren wurde.

Touristen mit offenen Augen dürften nach einem Aufenthalt in Burma mindestens für ein Jahr mehr als zufrieden, ja überglücklich sein mit ihrem Leben, sich freuen darüber, das Licht einschalten oder den Kühlschrank öffnen zu können, statt über das zu heisse oder zu kalte Wetter zu jammern oder den strengen Arbeitstag zu beklagen.

PS: Mit der bescheidenen staatlichen Altersrente für ein Ehepaar in der Schweiz könnte hier ein ganzes Waisenhaus oder ein Altersheim betrieben werden.

Weitere Fotos meiner Reise sind hier http://picasaweb.google.com/houdini49 in mehreren Picasa-Alben (zum Ansehen der Fotos auf das entsprechende Albumbild clicken).
Further photos of my trip are here http://picasaweb.google.com/houdini49 in various Picasa albums (click on the respective album picture to see the photos).