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Motorradtour 1, Tag 6
Umgebung von Pai, 52 km
Total bis jetzt 933 km

Alles Festhalten am Seil und Abstützen mit der anderen Hand auf dem Rücken der Elefantendame nützt nichts, ich rutsche mitsamt der Decke nach vorne, es schlägt mich beinahe an Kopf und Rücken des Mahout, des Elefantenführers. Die Sache schwankt bedenklich, die Kamera baumelt hin und her und schlägt an den Rücken des Elefanten. Es geht so steil einen schmalen Fussweg hinunter, ich müsste mich mit dem Töff überwinden, runter zu fahren, sogar mit dem Mountain Bike wäre es eine kritische Abfahrt. Ich schwitze wie ein Pferd, und die alte Dame wedelt nur mit den Ohren. Elefanten schwitzen nicht, sie kühlen sich über die feinen Äderchen in den dünnen Ohrlappen.

Nach einer Fahrt über Land, die ich anhand der Empfehlungen von GT Riders ins GPS programmiert hatte, und einigen Stopps, gelangte ich in ein Dorf mit mehreren Elefant Camps, wie sie hiessen, aber pro Camp oder Besitzer waren es nur jeweils ein bis 4 Elefanten. Einen Ausritt hatte ich bei der Tagesplanung ausgeschlossen, aber es juckte mich dann letztendlich des Erlebnisses willen doch.

Jetzt, 16:45, beginnt es wieder in Strömen zu regnen, nachdem den ganzen Tag unerwartet schönstes Wetter herrschte, unerwartet, weil es die ganze Nacht geregnet hatte und am Morgen ohne Regen sehr trüb und verhangen war. Es ist schön, bei einem Glas Weisswein unter dem Vordach zu sitzen, die gekaufte Flasche im Kühlschrank, nicht im Eiskübel, so edel geht es denn doch nicht zu hier, die schweren Tropfen auf den Boden platschen zu sehen und den Tönen des Regens zuzuhören. Helen weiss, wie sehr ich dies liebe, wie ich mich sogar zuhause bei starkem Regen nach draussen setze oder in der Nacht mit dem Kopf an das Fussende des Bettes lege, um den Regen näher beim Fenster besser zu hören. Ja, ich liebe den Regen, so lange er warm ist und ich nicht Motorrad fahren muss. Das Leben ist schön.

Bei Beginn des Ausrittes sass ich allein oben. Der Mahout ging mit einem Büschel Elefantenfutter vorne weg, und ich dachte schon, es gehe die ganze Stunde so. Nach etwa 5 Minuten stieg er dann doch auf, über den Rüssel und den Kopf, von vorne, während der Elefant für mich Pfötchen geben musste, damit ich wie über zwei Stufen und etwas Kraxeln auf seinen Nacken sitzen konnte. Diesen komfortablen Platz, mit den Beinen hinter den Elefantenohren, übernahm der Mahout und er gebot mir, mich brav hinten auf die Decke zu setzten und mich am Seil zu halten, die hoch stehende Wirbelsäule unter meinem Gesäss. Meine Elefantin war wirklich anders gebaut als andere, und das war nicht so super auf Dauer.

Der Elefant ist ein Riesentier. Aus der Sicht des Draufsitzenden ist das Viech noch grösser, ein Riesenschädel, grösser als der dahinter sitzende Mahout, riesige Schultergelenke, die ich beim Gehen hoch und runter Gehen spürte, eine Lederhaut mit einzelnen schwarzen Härchen, gewaltig. Ob sie mein gelegentliches Kraulen wohl spürte?
Mir wurde der Mahout zugeteilt, den ich von den am Tisch sitzenden am wenigsten sympathisch fand, und die Elefantin benahm sich entsprechend. Sie blieb dauernd stehen, rupfte Blätter ab und frass, oder stand einfach bockstill. Das mindestens hundertmal gehörte laute “Äah!!” des Mahouts klingt mir noch jetzt in den Ohren. Er hatte mehr Arbeit als die Elefantin, kontinuierlich rubbelte er mit seinen Füssen hinter ihren Ohren, aber sie führte, nicht er. Ein Esel ist wahrscheinlich weniger störrisch. Na ja, nachdem ich vor den Pyramiden von Gizeh für 25 Meter auf einem Kamel oder Dromedar geritten bin, kann ich jetzt auch einen Elefantenritt abhaken. Ich weiss nun, wie ein Elefantenfurz tönt und wie die Bollen auf den Boden plumpsen. Ein sehr interessantes Erlebnis war es, und auf seine Art machte es auch Spass, aber ich habe es jetzt gehabt. Bungee würde ich jederzeit wieder jumpen. Oder natürlich weiter Töff fahren, da spüre ich den Hintern weniger.

Der Bub wird es vielleicht nicht immer leicht haben im Leben, vermutlich die Folge eines Fehltritts mit einem Farang (Ausländer).

“Flasche leer, ich fertig”, oder was sagte Trappatoni? Meine ist nur etwas angetrunken, aber ich schliesse für heute trotzdem, obwohl noch einiges zu erzählen wäre.