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Motorradtour 1, Tag 5
Von Mae Hong Son nach Pai, 121 km
Total bis jetzt 881 km

Erleichtert bin ich wieder zuhause, im Ban Pai Village, wie das Guest House hier in Pai heisst, in dem ich für 2 Nächte untergebracht bin. Nur die lange Strasse hoch ging ich und dann muss ich wohl abgebogen sein. Das wusste ich auf dem Rückweg nicht mehr, meiner Mutter ging es mit 80 auch so, und so schlenderte ich seelenruhig vermeintlich Richtung Guest House. Nach einiger Zeit hatte ich Null Ahnung wo ich war. Den Namen der Herberge wusste ich nicht mehr, auf dem Schlüssel stand er auch nicht, und das GPS hatte ich auch nicht dabei. Mit “Don’t leave home without it”, wirbt oder warb American Express, gilt ab jetzt auch für GPS.

Heute war Verschiebungstag, doch wegen des Transportmittels trotzdem ein Genusstag. Von der Provinzkapitale Mae Hong Son bis Soppong war die Strecke ähnlich wie gehabt, schön kurvig, auf und ab, oft nur 5 Kurven hoch, 3 wieder runter, usw. Leider war die Fahrbahn vom nächtlichen Regen noch nass, teilweise war Laub in den Kurven, auch rote Erde, dazu vereinzelt Bitumenflicken, alles nicht sehr beliebt bei Bikern, aber es ging, Augen offen halten und nicht in die Gegend gucken oder in die Luft.

Ab Soppong bis zu meinem Etappenort Pai gab es erstmals auf meiner Reise einen richtigen Pass, heisst, es ging andauernd hoch auf eine Passhöhe und hinten wieder runter, wie bei einem Alpenpass. Die Strasse war in perfektem Zustand und breit, besser als manche Alpenstrasse und manchmal etwas steiler als bei uns. Mehr Fotos der Strasse sind auf dem Picasa .

Auf der Passhöhe stand neben einem kleinen Imbiss eine grosser Topf mit diesen Opfergaben. Reisende stecken Geldscheine an die Stäbchen, richtige, nicht “Göttergeld”, das für die Verstorbenen in Taiwan und China verbrannt wird. Die Thais sind mehrheitlich Buddhisten, glauben aber doch an Geister, Spirits, die sich gerne in den Bergen und am Meer aufhalten. Manche Thais fahren wegen der Geisteransammlung nicht gerne ans Meer, wurde mir gesagt.

Kurz vor Pai folgte ich nach einem Fotohalt einem Nebensträsschen, das mich in ein kleines Dorf führte. Bei diesem Haus sind aufgeschnittene Bambusstreifen zum Trocknen aufgehängt. Diese werden später zum Flechten von Körben und dergleichen verwendet, soweit ich mich erinnere. Sollten sie nicht für diesen Zweck sein und sollte jemand Bescheid wissen, würde ich mich an einem korrigierenden Kommentar freuen, wie es bei den Sojabohnen geschehen ist.

Eine Berichtigung oder Erklärung kann ich selbst vermelden. Vorgestern Abend sass ich mit einem Italiener auf der Terrasse der Herberge und wurde zusammen mit ihm zu ein paar Männern gerufen, wir sollten doch mit ihnen Whisky trinken statt allein zu plaudern. Sie waren Touristenführer von der Volksgruppe der Karen, von denen einer sehr gut und die anderen leidlich Englisch sprachen. Ich erinnere an die indischen Gesichter am Salawin River, die ich als Karen vermutete. Sie sahen alles andere als indisch aus, hatten was ich ohne je dort gewesen zu sein als mongolischen Einschlag betrachte. Sie klärten mich auf, es lebten viele Bangladeshi in Burma, an was ich mich von der Reise mit Helen erinnere, und einige seien auch über die Grenze gekommen, wohnten entlang der Grenze und gingen ihren Geschäften nach. Muss wohl so sein. Inder hatte ich ja auch in Bangkok als potentielle und wirkliche Kunden.

Im Dörfchen sass ich vor dem Dorfladen, wieder mit Läden am Laden, und trank einen Nescafé, um meine Nestlé-Aktien hochgehen zu lassen. Vor mir baumelten diese Tütchen, und weil es so farbenfroh aussah und dazu noch ein weiteres Produkt schweizerischen Ursprungs dort hing, die Ovomaltine, die in Asien Ovaltine heisst, musste noch geknipst werden. Diese Art Auslage ist sehr typisch für Läden in Südostasien.

Grüner geht es nicht, wieder als Abschluss, wer kann da vorbeifahren ohne zu knipsen.

Ich sitze jetzt auf der Veranda meiner Hütte und habe den Laptop auf dem Schoss, wo er namentlich auch hingehört. Die Mücken plagen, so dass ich das in der Badehose draussen Sitzen nur kurze Zeit geniessen konnte. Nun, mit langer Hose und Hemd trieft Moskito-Mittel oder Schweiss oder beides von der Stirn. Aber es ist sehr schön und ruhig hier. Von halblinks vorne führt der Kiesweg zum Restaurant, links ist eine Reihe Hütten und gegenüber sind auch zwei, nebenan rechts natürlich auch mehrere. Wegen des vielen Grünzeugs, Sträuchern, Bäumen, Blumen und Bananenstauden, ist es überhaupt nicht störend. Ein etwa 30 cm breites Bächlein plätschert als optische und akustische Attraktion entlang des Weges.