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Motorradtour 1, Tag 4
Umgebung von Mae Hong Son, 162 km
Total bis jetzt 720 km

Nach kurzer Fahrt kam ich an einer Dorfschule vorbei, nebenan war ein Kindergarten mit spielenden Kindern, vermutlich auf den Schulbeginn wartend. Das Mädchen war eins der Kinder, die photogenste oder hübscheste. Auf dem grossen Rasenfeld, das übrigens gerade mit einem motorisierten (!) Mäher gemäht wurde – allerdings musste der Abwart (Pedell) hinterher gehen und konnte nicht auf dem Mäher sitzen wie die trägen schweizerischen Abwarte – standen die grösseren Kinder für den Morgenappell ein. Wie im Militär geht es doch nicht zu hier, dort mussten wir gerade stehen und exakt in Linie und durften uns nicht bewegen. Es wurde auch kein Lied angestimmt über einen Lautsprecher wie hier.

Schuluniformen finde ich eine gute Sache, so würden auch bei uns einige Probleme vermieden, wie das ziehe ich nicht an, ich möchte auch Rebock, Fritz hat bessere Shorts, etc. Unsere Jungs trugen an der American School in Taipei Swiss School in Singapore (Das sagte mir Helen. Ich werde entweder alt und vergesslich oder es war für mich wegen des Geschäftes nicht so wichtig, es richtig zu speichern) ihre Uniform, ohne je etwas dagegen zu sagen, es war einfach so.

Den verblichenen Wegweiser “Longneck Karen” liess ich links liegen, weil ich gemäss Lonely Planet Reiseführer wusste, wo die Longnecks waren und dies auch im GPS eingegeben hatte. Als die Strasse in einen Dreckweg mündete und das GPS anzeigte ich sei angekommen und ich immer näher an die Grenze zu Burma gelangte und nach 3-4 km rauf und runter noch immer kein Dorf in Sicht war, wurde es mir etwas mulmig, aber ich fuhr weiter, was sonst. Nach einer steilen Abfahrt gelangte ich in ein sehr einfaches Dorf. Die Leute erwiderten meine Grüsse nicht und schauten mich abweisend an. Die Frauen hatten auch keine Messingspiralen um den Hals. Also rechtumkehrt und wieder zurück und doch dem Schild folgen. Wer weiss es immer besser? Die Fahrstrecke war jedenfalls interessant, also hatte ich doch etwas davon. Der Weg ist das Ziel.

Das ist also eine dieser Longneck-Frauen, und ihr Hals ist wirklich lang. Es seien aber nicht die Halswirbel, die länger würden, sondern die Schultern würden durch das gewicht der Spirale hinunter gedrückt, sagte ein Mann, mit dem ich ins Gespräch gekommen war. Er sprach recht gut Englisch. Der Volksstamm sei eine Untergruppe der Karen und nenne sich Kayan. Am Eingang zum Dorf wird Eintritt verlangt, recht happig für lokale Verhältnisse, 250 Baht, dafür dürfe ich gratis fotografieren. Ich las, diese Art Show-Tourismus sei besser als in unberührte Dörfer zu trecken, wo die Bevölkerung die Besucher als Belästigung betrachteten, hier sei es der Erwerb der Leute.

In der Schule gibt es 5-6 Zimmer je nach Schulstufe. Die Lehrer sind alle jung und ausser dieser Frau alles junge Männer. Nach einigem Zuschauen von der Türöffnung aus und nachdem sich die Lehrerin an ihr Pultchen gesetzt hatte, ging ich rein und stellte mich den Kindern vor mit “My Name is Eric. I come from Switzerland”, dabei auf die Worte an der Tafel zeigend. Auf die Frage, wie sie hiessen, sagte jedes Kind schön brav “My name is xxx”, ich wiederholte jeweils “Your name is xxx” und sie sagten “Yes”. Es hat Spass gemacht und war vermutlich auch ein Erlebnis für die Kids. Ob unser Schulhaus in Burma auch so wird, oder stabiler? Ich denke schon, denn die Dorfleute seien jetzt am Mauern.

Es wird jung mit den Spiralen angefangen, wie das Beispiel zeigt. Etwa alle 5 Jahre würde die schwere Messing-Spirale ausgewechselt, weil sie zu kurz würde, sagte mein Gesprächspartner, Ja, es jucke unter der Spirale und oft gäbe es wunde Stellen. Wie sie sich wohl darunter waschen? Wie sie wohl schlafen?

Ich sass etwa eine Stunde vor einem kleinen Shop und führte mein Tagebuch. Eine Ruhe war. Nebenan sang eine Frau, und kurze Zeit später tönte es aus der anderen Seite noch ein Frauengesang. Die eine unterbrach öfter ihr Lied, um das vor dem Haus spielende Kleinkind zu schelten, sie setzte aber den Gesang jeweils gleich wieder fort.

Hier ein Eindruck vom Dorfbild. Die Häuser in den Hilltribe-Dörfern im Norden von Laos und Vietnam sahen recht ähnlich aus, da diese Volksstämme über den Norden der Länder Burma, Thailand, Laos und Vietnam verteilt sind, auch die Stämme leben vermischt, ein Dorf Lahu, das nächste Hmong, etc., wie im Balkan.

Gegen Mittag fuhr ich die kurvige :-) Strecke nach Norden zu einem chinesischen Dorf etwa 1 km vor Burma. Gegründet wurde es von Armeeangehörigen der Nationalchinesen, des Kuomintang (KMT), die sich nach dem Sieg der Kommunisten 1949 nach Burma abgesetzt hatten, dort dann aber kurz später nicht mehr geduldet waren und nach Thailand zogen. Im Dorf sprechen die Menschen noch heute Chinesisch untereinander. Die Frau im Restaurant verstand zwar meine Bestellung für Nu Ro Mien, Rindssuppe mit Nudeln, nicht. Nachdem sie mich dann mit Bauarbeitern nebenan Chinesisch sprechen hörte, ging die einfache Konversation gut. Das passierte mir bereits in Taiwan, weil die Leute dachten, diesen Ausländer verstünden sie ohnehin nicht. Die Leser sollen daraus bitte nicht schliessen, ich könne Chinesisch, es waren nur simple Sätze, die man im Restaurant braucht, woher und wie alt ich sei, etc.

Gleich nebenan wurde ein Haus mit einem Blätterdach gedeckt. Vorgefertigte Blattreihen an Holzstangen werden überlappend wie Schindeln oder Dachziegel aufgelegt und festgezurrt. Hier ist es wohl für die Touristen gedacht, denn nebenan ist ein Haus in Stahlbau im entstehen, siehe Bild im Picasa-Album.

Ein Beispiel, was leider in Thailand, aber auch in anderen Ländern Südostasiens, von Unterhaltsarbeiten gehalten wird. Eine vormals schöne wassergetriebene Musikmaschine oder Glockenspiel aus Bambus an einem touristischen Ausflugspunkt, der Fish Cave, ist derart von Algen überwachsen und verlottert, dass sich nur noch ein einziges Rohr bewegt. Dabei könnte alles in wenigen Stunden in Ordnung gebracht werden.

Zu guter letzt nochmals ein Bild mit dem Grün, das ich so mag.