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Motorradtour 1, Tag 1
Von Chiang Mai nach Mae Sariang, 272 km

Jetzt bin angelangt, wo ich sein will, auf dem Land, das ist das Asien, das ich liebe. Die ersten 55 km aus der Stadt und bis Chom Tong waren kein Vergnügen, zuerst war viel Verkehr und danach ging es immer geradeaus, oft doppelspurig und durch viele Kleinstädte oder Dörfer mit ihren Lichtsignalen. Dann begann bergiges Bike Country mit vielen Kurven, meist durch Wald, hin und wieder unterbrochen von vereinzelten Dörfern, Reisfeldern und Äckern mit Mais und Gemüseanbau. Den etwa 20 km langen Abstecher auf asphaltierter Strasse auf den mit 2565 m höchsten Berg Thailands, den Doi Inthanon, liess ich aus, vor allem wegen der Wolken, die den Gipfel umgaben. Ohne GPS wäre ich vielleicht ohne es zu merken doch hochgefahren, ich hatte die Abzweigung verpasst und es erst einige km weiter oben bemerkt.

Am Wachirathan Wasserfall im Doi Inthanon Nationalpark machte ich den ersten Halt und trank einen sehr guten Cafe Latte aus thailändischen Arabica Bohnen, gebraut in einer Saeco Espressomaschine, erstaunlich so weit draussen im Wald. Optisch war er auch gut angerichtet, allerdings nicht in der Klasse des Costa in Farnham ;-)

Ein kleiner Laden an der Strasse. Die Kinder kamen gerade aus der Schule und kauften sich einige Kleinigkeiten. Auch hier kennt man anscheinend Taschengeld.

Das ist sie, meine Kawasaki, vor meinem Lunch-Restaurant. Als Tischgenossen hatte ich zwei kleine Buben, die ihre Nudelsuppen geniesserisch reinzogen.

Das ist der zugänglichere der beiden, der andere schaute mich kaum an und machte einen scheuen Eindruck.

Oft überholte ich diese Art Pick-ups mit Kohl-Köpfen. Chinakohl wie hier sah ich sonst nicht. Die Köpfe werden schön aufgestapelt, und kurz später sah ich, wie an einer grossen Umladestation die Köpfe in gleicher Weise von den Pick-ups auf grosse LKWs umgeladen wurden, Kopf für Kopf. Die Weisskohlköpfe sind flach, wie zusammengedrückte Bälle, nicht rund wie bei uns.

Wer eine Reise tut, der kann was erzählen, heisst es, oder so ähnlich. Was aber ist interessant für Leser? Schöne Landschaften lassen sich mit Bildern besser beschreiben. Missgeschicke? OK, ich ertappte mich heute zweimal auf der rechten Strassenseite, bei Linksverkehr, bis jemand auf meiner Seite entgegenkam.

Einen Adrenalinschub vermochte dies nicht auszulösen, den hatte ich dann aber doch noch, als auf dem Bildschirm-Tacho nur noch in grossen Buchstaben FUEL aufblinkte. Oops, wie weit war ich denn mit dem ersten Tank schon gefahren? Mr Lan, der Bike-Vermieter, hatte gesagt, nach etwa 140 km leuchte die kleine Warnlampe und dann reiche der Rest noch für etwa 50 km. Es mussten bereits etwa 185 km sein seit Chiang Mai, die aber wegen des FUEL-Blinkens nicht sichtbar waren, au weia. Nach einiger Zeit war mitten im Waldgebiet ein Haus und ein Mann sagte mir in Zeichensprache und mit Zahlen, die ich als Reisevorbereitung noch repetiert hatte, etwa 3 km weiter habe es rechts eine Tankstelle, aber sie sei 20 m entfernt von der Strasse und ich müsse aufpassen. Nach etwa 3 km durch den Wald war rechts abseits der Strasse das erste Haus, Freude herrscht, ja, eine Motorradwerkstatt. Kein Benzin, dafür lange Erklärungen, von denen ich kein Wort verstand. Ein zweiter Bursche versuchte es auch erfolglos, bis er auf sein Motorrad stieg und mir bedeutete, ich solle ihm nachfahren. Und siehe da, nach etwa einem km erhielt ich Benzin aus einem Fass, mit Handpumpe und Glas-Messzylinder oben drauf. Der Tacho zeigte nun 193.7 km, exakt, weil ich ihn beim letzten Tanken genullt hatte. Nochmals Schwein gehabt.

Ich genier mich für mein anfängerhaftes Missgeschick, und Helen wird beim Lesen denken, das sei typisch für mich und so würde ich es vielleicht doch noch lernen, denn sie sagt, mit dem Auto führe ich immer bis auf den letzten Tropfen, was sie nerve.

So sah die Gegend oft aus, hier etwa 30 km vor Mae Sariang, meinem heutigen Etappenort. So ähnlich war die Landschaft, als mir das Benzin zur Neige ging.

Ich sitze auf dem Balkon meines Hotelzimmers, das von gutem Geschmack des Besitzers zeugt, unüblich auf dem Land. Der leichte Wind treibt die letzten Tropfen einer kurzen Regenschauer von den Bäumen, direkt vor mir fliesst der braune Fluss mit rechtem Zug, und leise höre ich Litaneien von Mönchen aus der Ferne, dazwischen Vogelgezwitscher. Schön ist es hier. und gut geht es mir.