Von Muang Lai via Tuan Giao nach Son La
Tacho-Stand 909 km
Fotos zu diesem Tag sind hier auf Picasa
Photos of this day are here on Picasa
In Vietnams Hinterland sind die Männer nicht so hinterwäldlerisch, sie machen sogar die Wäsche, hier gleich neben dem Hotel in Muang Lai
Da die Hauptstrasse von Muong Lai nach Dien Bien Phu in sehr schlechtem Zustand sei war eine andere Route im Programm, eine weniger befahrene Strecke quer über die Berge nach Tuan Giao. Von dort fuhren wir auf der Hauptstrasse weiter nach Son La, 50′000 Einwohner, die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Insgesamt wurden es über 180 km mit mehrheitlich schlechten Strassen. Es war der anstrengendste Tag unserer Tour und alle waren am Ende geschafft. Glen, der jüngste, verabschiedete sich bereits gegen 9 Uhr ins Bett, bevor alle mit dem Essen fertig waren. Ausdauer ist anscheinend nicht die Stärke des jungen Rugby spielenden Huenen mit seinen 2 Metern und 100 kg.
Elektrisch und Satelliten-TV, aber abgelegenere Berggegenden warten noch.
Den ganzen Tag fuhren wir durch sehr bergiges Gebiet, durchzogen von schönen Tälern mit klaren Bergbächen und Flüssen. Bis hoch oben, weitab der Talsohle, sahen wir kleine Weiler oder einzelne Höfe, auch recht steile Hänge kultiviert, richtige Bergbauern weit ab vom Marktort. Terrassiert für Reisanbau war teilweise auch. Es wird aber mehr Trockenreis, wie Thoi es nennt, an den Hängen angebaut, also ohne stehendes Wasser. Diese Sorten sind „sticky rice“, also Klebreis, anders als der Reis, den wir kennen, inklusive Risotto-, Thai- oder Parfüm-Reis. Gekocht hält er so zusammen, dass man ihn nicht mit Stäbchen essen kann, sondern mit den Fingern abklaubt, ein Bällchen rollt und in den Mund schiebt.
Girls im obigen Bergdorf.
Vietnam ist weiter entwickelt als Burma, auch weiter als Laos. Das ist überall ersichtlich, an den vielen Klein-Motorrädern, den vielen Handys in den Städtchen, der Elektrischversorgung bis weit in die entfernten Täler, und eben auch daran, dass ich hier hoch oben auf einem Berg Bauern sah, die mit einer pedalgetriebenen Dreschmaschine der Reis dreschten, während in Laos die Berg- und in Burma gar die Flachland-Bauern von Hand dreschten, die Reisbüschel über eine Holzlatte schlagend und die Körner so abstreifend.
Ein Paar auf dem Motorrad, ermöglicht durch einen Reparaturhalt.
Die Fahrt endete für mich mit sehr unangenehmen 15 km, auf denen ich Blut schwitzte: Es ist bereits finstere Nacht und mein Scheinwerfer fällt aus, ich sehe fast nichts, manchmal den Boden vor mir gar nicht, nur schwarz, als Hilfe habe ich nur das rote Schlusslicht des Vordermanns als Leitpunkt, das Licht des hinter mir fahrenden Pat und meinen Arsch. Wie sich diese Fahrerei bei Abschnitten von 50m Dreck mit 30cm tiefen Löchern und Buckeln und teils Dreckmatsch und teils seitlich ausgebrochen Stellen bei Asphaltstrasse anfühlt, kann sich jeder vorstellen. Es kommen LKWs entgegen, idiotisch mit Scheinwerferlicht das uns so blendet, Du siehst rein gar nichts, so dass Glen vor mir ab und zu sogar anhält. No Fun at all. Als ich denke, wir seinen jetzt bald da, sehe ich den Strassenstein „Son La 7km“, grosse Enttäuschung. Dann aber schlussendlich die Erleichterung, die ersten Häuser, Strassenbeleuchtung, ordentlich geteerte Strasse, eine Freude, ohne Scheinwerfer durch das Städtchen zum Hotel zu fahren.
Wir waren spät dran wegen einer Stelle, wo wir etwa eine Stunde gewartet hatten, bis die Strasse wieder freigegeben wurde. Ein Bagger weit oben löste Erdrutschmaterial, das dann unten auf der Strasse weggeräumt wurde. Verzögernd wirkte auch meine 2 Pannen, ein Riss des Kupplungskabels und der wieder nicht funktionierende Hahn für die Benzin-Reserve, die wieder Umfüllen von Benzin aus einem anderen Motorrad erforderte. Wir gehen erst tanken, wenn ich stehen geblieben bin, scheint es. Ja, und dann war noch ein Sturz von Thoi direkt vor mir in einer Rechtskurve mit Dreck auf der Strasse, falsch gebremst, Vorderrad weggerutscht, und ein ähnlicher Sturz mit Wegrutschen in die Böschung durch unseren Sahara-Fahrer, vermutlich als Folge von Übermut. Den Fahrern geschah nebst kleinen Schrammen nichts, zum Glück, nur J’s Lenker ist nun verkrümmt, vorderer und hinterer Blinker weg, Lampe lose, wird morgen vor der Abfahrt in einer Werkstatt geflickt.
Man beachte den Albino-Bub mit den weissen Haaren, hier bei der Hütte, wo mein Kupplungskabel ersetzt wurde.
Dann war noch der Hebel der Fussschaltung von Robbies Bike abgefallen und wieder anmontiert worden und zu guter Letzt, im Hotel, fand Thoi sein viel benutztes Natel nicht mehr. Pat sagte ihm, er solle mal in seine, Pat’s, Jackentasche greifen, und da war es. Pat hatte es während der Fahrt im Dunkeln auf der Strasse liegen sehen und mitgenommen. Das war vermutlich dann, als ich mal für ne Weile kein Licht von hinten hatte.
Das Highlight des Tages waren für mich die etwa 10 Wasserbüffel links und rechts der Strasse, jeder geritten von ein bis zwei kleinen Kindern, teils kaum im Kindergartenalter, und das in einer wunderschönen kleinen Ebene mit Reisfeldern links und rechts. Thoi hielt nicht an, für ihn ist dies nichts besonderes, als alle ihm nach, weiter geht’s. Schade, aber im Kopf ist das Bild.

No comments yet
Kommentar-Feed für diesen Beitrag